Reisebericht Sri Lanka 6.4. - 22.4.2005

Erfahrung zwischen Ayurveda und Tsunami

<<< Seite 1/13 >>>

Text, Fotos & Videos: Martin, der für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich zeichnet.
(Update 2012: Viele externe Links funktionieren nicht mehr.)
Zum Betrachten der Videos wird der Adobe Flash Player benötigt.
Ausserdem werden Google Earth™ Placemarks angeboten. Um diese zu öffnen wird das Programm Google Earth benötigt.
Ansonsten wurde auf Firlefanz verzichtet.

Vorgeschichte:

Meine Freundin Inge erfährt über eine Bekannte von Ayurvedareisen nach Sri Lanka, ein Sonderangebot, das nur bis zum 25. März gebucht werden kann. Am darauf folgenden Wochenende meldet sich Christine, eine Freundin von Inge, und will mit ihr diese Reise buchen. Aber Inge ist nicht zuhause. Bei Rückruf am folgenden Tag erfährt Inge, dass Christine schon mit ihrer Freundin Stefanie fliegt. Inge setzt sich mit der Reiseveranstalterin Heidi Marx in Verbindung, um nach Einzelheiten zu fragen. Dabei erfährt sie, dass noch am selben Tag gebucht werden muss. Da Inge diese Reise unbedingt machen will, gebe ich mich hin und trete also notgedrungen, nicht willentlich, eine Ayurvedakur an.

Mi 6.4. Gerzen - Fraport

Wir stehen um 7 Uhr früh auf der Matte, aber das angeforderte Taxi erscheint nicht. Anruf vom Taxifahrer wo er hin muss. 15 Minuten später ist er da und wir rasen nach Landshut zum Bahnhof.
Der Zustand des Taxis (verbeult, kaputte Stossdämpfer, etc.) lässt auf künftiges schliessen. Am Münchner Hbf. angekommen legen wir noch zusammen 80 Euro für ein 1. Klasse Ticket für den ICE nach Frankfurt drauf. War‘s nicht wert, die sollten sich mal ein Beispiel nehmen an der 2. Klasse des spanischen AVE. Ausserdem war das Abteil unterkühlt.
Ankunft Fraport 12:30, Mittagessen im "Oasis Steigenberger" (schon wieder ein Hinweis auf künftiges) über dem ICE-Terminal unter riesigem Wintergarten.

Es hiess, der Sri Lankan Airlines CheckIn befinde sich nur 80m vom ICE Terminal entfernt. Nichts da, die übliche Fraport-Odyssee beginnt. Wir rennen durch riesige verwinkelte Hallen, treppauf, treppab, keiner weiss was, man fragt auch noch am "Info-Point", der schickt einem zum falschen Schalter, aber durch Zufall läuft man am richtigen vorbei. Das grosse Schild über dem Schalter besagt LUFTHANSA, aber auf dem kleinen Monitor darunter steht Sri Lankan Airlines nach Colombo. Abfertigung durch LH. Immerhin sind wir die Koffer los. Am Gate treffen wir auf Christine und Stefanie, die mit einem früheren ICE aus München angekommen sind.

Christine (Foto ©Steffi)

Steffi (Foto ©hristine)

Flugdauer 9:20h. Airbus A330, Reihe 26 Mittelgang.
Diese Reihe hat einen Vorteil: sie liegt am Notausgang, vor uns keine Sitze, sondern die Pinkelkabinen. Nachteil: Die nur 250 Passagiere stehen volle 9:20h in Schlangen an, Tür auf, Licht blendet, Tür zu und RATSCH! Zusperren. Total nervig. Als die Maschine zum Start beschleunigt, bekreuzigt sich die in neotraditioneller Tracht gekleidete Flugbegleiterin, die ihren Sitz am linken Notausgang hat. Sri Lankan Airlines war letztes Jahr Sieger in puncto On Board Service. Ist aber nicht besser oder schlechter als die anderen auch, finde ich. Auch hier wäre man an Unterkühlung gestorben, hätte man keine Decke gehabt.


Do 7.4. 04:30 Vom Airport Colombo zum Hotel Oasis

Endlich geht die Flugzeugtür auf und herein drückt 32 Grad warme, tropisch feuchte Luft. Das Frieren hat ein Ende.
Nach gestrengem Besichtigen und Stempeln unserer Ausweise durch einen in volle Montur gekleideten Sri Lankischen Zollbeamten, stehen wir endlose Zeit am Gepäckband in den picobello gepflegten und klimatisierten Hallen. Inge wechselt Geld, aber bei einem Gauner, der zwar einen "offiziellen" Stand hat, aber dessen beleuchtbare Kursliste im Gegensatz zu den anderen Schaltern ausgeschalten ist. Umrechnungskurs ~125, also 1000 Sri Lanki Rupies entsprechen 8 Euro. Als wir am Duty Free Shop vorbeikommen hört Inge jemand sagen "Wenn ihr in den nächsten Wochen noch Alkohol trinken wollt, müsst ihr ihn hier kaufen!". Also schleppen wir vorsichtshalber noch zwei Sixpacks 500ml Becks Bier mit, für 15US$ !

Am Ausgang erwarten uns Kohorten von Abholern mit Schildern in den Händen, alle lächeln freundlich, mit breitem Mund und strahlend weissen Zähnen. Dieses Lächeln wird uns (fast) überall auf der Insel begleiten. Ich lese mich durch den Schilderwald, und schliesslich finde ich eines mit der Aufschrift:

Mrs. Martin
Mrs. Neudecker
Mrs. Christine
Mrs. Stefanie

Ich grinse, die Leute hier scheinen Probleme mit unseren Namen und Anreden zu haben. Der Junge der uns abholt ist Ruwan, wir werden dem netten Kerl im Hotel noch oft begegnen, wo er leider nur zum Saubermachen und Kofferschleppen abgeordnet ist. Die Mrs. für mich wird zwar geändert, aber im Hotel werde ich weiter als Mr. Martin geführt.

Eifrige Träger reissen uns die Koffer aus den Händen. Toller Service, denke ich. Am Kleinbus angekommen halten sie die Hände auf. 35 Rupies wollen sie, ich gebe ihnen einen Euro. Ein anderer hievt die Koffer in den Kleinbus. Auch 35 fällig. Auf einmal stehen 5 Träger herum und wollen Knete. Es ist 5 Uhr früh Ortszeit, 1 Uhr in Deutschland, also +4 Stunden zur MESZ. Wir sitzen müde im klimatisierten Kleinbus aber frieren nicht, es ist noch dunkel, und es geht zu wie im arabischen Bazar zur Stosszeit. Ruwan ist nur der Beifahrer wie sich herausstellt. Wir werden gefragt, welche Route wir fahren wollen, die Küstenstrasse oder über die Berge. Wir entscheiden uns für zweiteres, denn schliesslich halten wir uns an der Küste noch lang genug auf. Vor uns liegen 7 Stunden Fahrt zur 240 km entfernten Distriktshauptstadt Hambantota an der Südküste (Karte). Das Verhältnis zwischen Fahrzeit und Kilometern lässt frösteln. Wir lernen, dass Entfernungen hier in Stunden und nicht in Kilometern gemessen werden.

Erste Impressionen

Nach einer kurzen Dämmerung ist es plötzlich hell, die Fahrt geht durch tropischen Palmenwald, weiten Tälern in denen weisse Reiher und Wasserbüffel inmitten Reisfeldern stehen und den Bauern bei der Arbeit zusehen, durch regsame, aber ärmlich wirkende Dörfer und über DIE Strasse. Ich habe gehört, dass es nicht möglich ist, sich hier einen Wagen zu mieten, sondern man benötigt einen "Driver". Jetzt weiss ich auch warum. Die Strassen sind eng, die Teerdecke ist entweder gar nicht vorhanden oder bröselig mit tausendmal geflickten und ungeflickten Schlaglöchern und teilweise ist sie zu einem kleinen Hügel in der Mitte der Fahrbahn verkommen. Trotzdem wird hier losgelegt, als sei man auf einer deutschen Autobahn. Da werden Tuk-Tuks, kleine Motorräder mit Kabine die bis zu drei Leute befördern können, oder Busse bei Gegenverkehr mit fleissigem Hupen überholt, am liebsten vor einer unübersichtlichen Rechtskurve. Denn hier herrscht auch noch Linksverkehr. Aber man hat sich arrangiert. Während des Überholvorgangs wird auchmal ein paar Kühen ausgewichen, die am Strassenrand liegen, oder Hunden, dir mir nichts dir nichts die Strassenseite wechseln und die es hier zuhauf gibt. Schulkindern, alle in blendendes Weiss gekleidet, und Radfahrern muss ausgewichen werden, ebenso wie ganzen Familien, die auf dem Moped vom Papa mitfahren. Hier könnte man eine James Bond Verfolgungsjagd drehen, ohne was teuer inszenieren zu müssen.

Wir senken das Haupt und sehen unserem Schicksal entgegen.

Solang er noch fährt, warum nicht

 


Ankunft

12 Uhr Ortszeit, die Sonne steht senkrecht über uns. Genau 25 Stunden nach Reisebeginn stehen wir am bewachten Stahltor des Hotels Oasis Ayurveda Beach Resort (Google Earth Placemark). Ein polizeiähnlich uniformierter Wächter öffnet uns. Das Hotel liegt genau zwischen Hambantota im Osten und Ambalantota im Westen, je 6 km in beide Richtungen. Es entspricht internationalem Standard und wirkt gepflegt. Wie ich später herausfinden werde, war diese erste Einschätzung untertrieben. Wir werden vom freundlichen Personal empfangen, jedem wird ein Blütenkranz um den Hals gelegt und wir erhalten einen fruchtigen Begrüssungstrunk.

Inge & Steffi in der Lobby des Oasis

Inges und mein Doppelzimmer liegt Richtung Süden im Westflügel der ersten und einzigen Etage. Es ist sehr geräumig, ausgestattet mit TV, kleinem Kühlschrank und natürlich einer Klimaanlage. Auf einem kleinen Tisch stehen zwei in Cellophan eingepackte Teller mit frischen, teilweise uns völlig unbekannten Früchten, sowie ein Teller mit Besteck. Jeden Tag werden wir diese Früchteteller bekommen. Ausserdem werden immer warmes Wasser und Tee in Thermoskannen bereitgestellt, und reichlich Wasserflaschen, "Speed", das aus den Bergen von Sri Lanka kommt.

Der Ausblick vom Balkon auf die weiträumige Gartenanlage mit Pool ist uns durch Kokospalmen verwehrt. Die Räume unter uns haben freien Ausgang zum Garten. Es weht eine beständige Brise, die wir noch zu schätzen lernen, und obwohl wir den Indischen Ozean nicht sehen, hören wir die gewaltige Brandung, die hinter einem den Park abschliessenden, mit dichtem Gebüsch bewachsenen Deich am Strand tobt, geschätzte 200 Meter vom Zimmer entfernt.

Blick vom Hotelzimmer

Der tägliche Früchteteller

Balkon Sound

Obwohl hundemüde aber gleichzeitig aufgedreht, machen wir einen Rundgang durch Hotel und Park, aber es zieht uns an den Strand. Am Tor davor steht eine Tafel "STRICTLY! NO SEA BATHING". Wir gehen auf einem schmalen Weg durch das Gebüsch und passieren einen Wächter, der auf einem Stuhl im Schatten sitzt und freundlich grüsst. Er überwacht anscheinend den Eingang zum Hotel und das keiner dem Meer zu nahe kommt oder womöglich Schwimmen geht. Nach 30 Metern durchs Gebüsch stehen wir am breiten Strand, der Wind hat fast Sturmstärke, unsere Beine werden sandgestrahlt. Nach Osten und Westen kann man den Strand auf ca. 5km in beide Richtungen überblicken. Im Westen sehen wir als Silhouette Umrisse von Gebäuden in Ambalantota. Wir sind die einzigen Menschen weit und breit, und es ist ein seltsames Gefühl an dieser Küste zu stehen. Wir gehen noch ein paar hundert Meter den Strand entlang. Vier oder fünf Meter hohe Wellen brechen am Strand, und wir sehen schwarze Korallenbänke etwas weiter draussen, teils über-, teils unter Wasser. Die Warnung, hier nicht zu baden, hat schon ihre Berechtigung.

Richtung Süden zum Äquator sind es nur 680 Kilometer und 8000 zur Antarktis, dazwischen befindet sich kein Land mehr.

Weg zum Strand (Bildmitte oben)

Ausgang zum Strand

Küste Richtung Osten nach Hambantota

Weg zum Strand

Stürmisch

Abends um 7 erhalten alle Neuankömmlinge eine Einführung durch Martina. Sie wohnt seit 14 Jahren auf Sri Lanka und betreut hier im Hotel die deutschen Gäste. Uns begegnen eigentlich nur Deutsche. Sie erklärt uns wie das mit den Behandlungen läuft und gibt uns Tips und Tricks wie man sich ausserhalb des Hotels bewegt.

Das Abendessen nehmen wir vier unter einem dichten Palmenhain im Park ein und fallen dann todmüde ins Bett.


free counters