Reisebericht Sri Lanka 6.4. - 22.4.2005

Erfahrung zwischen Ayurveda und Tsunami

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Fr 8.4. Erstkonsultation und ayurvedische Behandlung

Wir stehen normal auf, stellen keinen Jetlag fest.
Nach dem Frühstück steht die 20 minütige Erstkonsultation beim Ayurveda Arzt an. Entgegen Martinas Auskunft ist es jedoch nicht Dr. Alawattegama, der bekannteste Ayurveda Arzt Sri Lankas, ein Berater des Gesundheitsministeriums, sondern Dr. Sarath Galagama. Dr. Alawattegama sei noch auf den Malediven verhindert.

Dr. Sarath (Foto ©hristine)

Aufgabe des Arztes bei der Erstkonsultation ist es festzustellen, welches der drei "Doshas" beim Gast überwiegt und auf welchem Energielevel sie sich befinden. Martina sitzt dabei um bei Verständigungsschwierigkeiten zu helfen. Und das ist gut so, denn an das Englisch der Singhalesen muss man sich erst gewöhnen. Während er meinen linken Arm in Pulsnähe hält, stellt er Fragen. Habe/hatte ich Hepatitis oder anderes, wieviel ich am Tag trinke, etc. Er nimmt den rechten Arm und fragt weiter. Er zieht mir die Unterlider runter und studiert meine Augen, er misst den Blutdruck, der normal ist, aber meinen Puls findet er viel zu schnell. Schliesslich stuft er mich als "Vata" ein, mit einem Hang zum "Kapha". Das dritte Dosha im Bunde wäre "Pitta" (Erklärung der Doshas).

Anschliessend verteilt er Noten von 1 bis 8 für jedes der Doshas. Meinen Energielevel stuft er als ziemlich niedrig ein und gibt mir die Noten 4 für Vata, 5 für Kapha und 4 für Pitta. Ziel der ayurvedischen Behandlungen soll sein, den Energielevel aller 3 Doshas auf 7 oder 8 anzuheben. Am Ende bekomme ich noch meine ayurvedische Tablette für die Darmreinigung, die mir in der kommenden Nacht bevorsteht.

Texte von Martina zu Ayurveda (MS Word):
Vorwort
Ayubowan
Wissenswertes zur Ayurvedatherapie

Am Nachmittag geht es auch schon los mit den Behandlungen.
Wir erhalten von der Ayurveda-Abteilung einen speziellen Bademantel und so etwas wie einen Tanga, einen Slip, der links und rechts je zweimal verschnürt wird, ausserdem den "Treatment Plan", den Behandlungsplan:
Treatment Plan

Der Behandlungstrakt besteht aus zwei Etagen, die obere ist licht und hell, direkt unter dem hohen Dach.
Die einzelnen Behandlungskabinen sind mit leichten Stellwänden abgeteilt, als Tür dient ein Vorhang. In der Kabine stehen mehrere dunkle Flaschen mit verschiedenen aromatischen Ölen. Auch diese sind nach den Doshas benannt, es finden sich aber auch andere Bezeichnungen. Auch das Massagöl muss zum Typ des Gastes passen. Als Basis dient immer Sesamöl. Ein kleiner Tischherd mit 2 Platten zum Erwärmen von Öl steht parat und ein, wie sich noch zeigen wird, gut durchdachter schwerer Massagetisch aus Mahagoni oder ähnlichem Holz, belegt mit einer Lederauflage und einem Tuch. Unter dem Kopfende befindet sich ein Kasten mit einer Tür.

Behandlungstrakt (Obergeschoss)

Behandlungskabine

Der Bademantel wird mir abgenommen. Als erstes erhalte ich ein "Head Treatment", eine Kopfmassage und sitze dazu auf einem Hocker neben dem Massagetisch.
Mein Masseur, ein junger Knabe namens Roshan wie ich auf seinem Brustschild lesen konnte, ist vielleicht 20 Jahre alt oder sogar jünger. Geredet wird nicht und wenn überhaupt, dann flüsternd.
Er steht hinter mir und lässt eine beträchtliche Menge duftendes Öl auf meinen Scheitel laufen. Dann klopft er mit der Hand ein paarmal drauf und beginnt sanft und ohne viel Druck jede Partie meines Kopfes mit kreisenden Bewegungen seiner beiden Hände zu massieren. Nach 20 Minuten, die meisten Behandlungen dauern solange, bittet er mich leise, mich rücklings auf den Massagetisch zu legen.

Nun erhalte ich das "Face Treatment", eine Gesichtsmassage. Zuerst tupft er mir den Schweiss aus dem Gesicht, der mir in Strömen läuft, denn obwohl alle Fenster offen sind und auch ein Lüftchen durchweht, ist es feucht warm hier drin. Diesmal wird mit einer Creme gearbeitet, diese verteilt er sehr sanft unter den Lidern, unter und auf der Nase, an Kinn und Hals, über den Augenbrauen, an den Schläfen. Dann beginnt er mit dem Massieren. Ich empfinde es eher als ein Streicheln, denn eine Massage. Mit kleinen kreisenden Bewegungen zwischen zwei Fingern fährt er dem Nasenbein entlang bis zur Spitze. Simultan bearbeitet er sanft beide Gesichtshälften, massiert die Ohrmuschel und Ohrläppchen, die Lider und Brauen, das Kinn, Hals und Nacken.

Ein anderer Junge kommt hinzu und es geht an die simultane Ganzkörpermassage, dem "Body Treatment". Ich liege noch auf dem Rücken mit geschlossenen Augen. Auf den Armen, die parallel zum Körper liegen, spüre ich wie von meinen Händen bis zum Oberarm warmes Öl gegossen wird. Dann beginnen sie, einer links einer rechts, mit einer exakt simultanen Bewegung meine Arme zu massieren. Mit sanften Druck bedeuten sie mir sie nach oben zu strecken, und fahren sie mit ihren beiden Händen auf und ab. Dann legen sie sie wieder auf den Tisch und lassen die fünf Finger jeder Hand durch zwei Finger der ihren schnappen. Dies bedeutet das Ende dieses Parts und sie machen mit den Beinen weiter. Auch hier lassen sie am Ende meine Zehen schnappen. Die Brustmassage erledigt dann einer von den Knaben allein. Dies ist übrigens auch bei den Frauen so, kein Oberteil und die Massagen führen ebenfalls Knaben durch.

Dann soll ich mich umdrehen. Einer der beiden nimmt das kleine Lederkissen weg auf dem ich gerade noch mit dem Hinterkopf lag. Zum Vorschein kommt ein ovaler Ausschnitt im Tisch. Um diesen legt er ein gerolltes Handtuch. In diesen Ring lege ich mein Gesicht, es ist bequem aber ich schaue in einen schwarzen Abgrund, den integrierten Kasten. Schon öffnet sich die kleine Tür an der Seite und ich erhalte Licht und Luft. Nun wird meine Rückseite nach demselben Schema massiert. Ich schätze mal, dass ich jetzt einen halben Liter Öl am Körper trage, und mir wird der Sinn der extra Wäsche klar.

Ich bedanke mich, schlüpfe ölig in meinen Bademantel und werde ein Stock tiefer zu einer anderen Kabine geführt. Hier steht eine Badewanne, gefüllt mit einer grün-gelblichen Flüssigkeit, dem "Herbal Bath", dem warmen, fast heissen Kräuterbad. Es verdünnflüssigt das Öl auf der Haut so sehr, dass es noch tiefer in die Poren dringt, ausserdem wird man einen Grossteil des Öles los. Ich schaue den sich wiegenden Palmen vor dem Fenster zu und warte. Keine Ahnung, ob mich da je wieder einer rausholt. Vor mir, über dem Hahn, liegt auf einem Sims unter dem Fenster ein frischer Bademantel, Slip und Handtuch bereit. Alles klar. Ich steige heraus, trockne mich ab und habe für den nächsten Behandlungstag neue Wäsche. Nach diesem Bad habe ich an manchen Stellen eine Haut wie ein Babypopo.

Der ganze Ablauf folgt einer durchdachten Methode und obwohl der Treatment Plan zeitlich zerrissen aussieht, folgt eine Behandlung nach der anderen. Bei manchen Abfolgen kann man einfach in seiner letzten Position liegenbleiben, und es geht mit der nächsten Behandlung weiter. Die ca. 20 Knaben behandeln jetzt ca 45 Gäste, aber es kommt nie der Gedanke an Fliessbandarbeit auf. Jeder Masseur zieht seine Arbeit konzentriert und sorgfältig durch, auch wenn er eine Behandlung zig mal am Tag durchführt.

Am Abend vor dem Schlafengehen nehmen Inge und ich versetzt unsere Darmreinigungstabletten ein, versetzt deshalb, damit es auf dem Klo nicht zum Zusammenstoss kommt. Etwa vier Stunden soll es dauern, bis sich was tut. Dann legen wir uns hin und harren der Dinge die da kommen mögen.


Sa 9.4. Darmreinigung, Ayurveda-Bar, Ambalantota und Meteor Beach

Bei Inge geht es um drei in der Nacht los und es geht ihr nicht gut dabei. Bis zum Morgen rennt sie siebenmal aufs Klo. Bei mir tut sich 10 Stunden lang nichts aber dann schlagartig. Muss man nicht unbedingt haben. Von Stefanie hören wir später, dass Christine den Arzt geholt hat, da sie oben und unten abführte.
Wir sind alle müde und sehr matt.

Am Morgen nehmen wir dennoch unsere Medizin in der "Ayurveda-Bar" ein.

Auf dem Weg zur Ayurveda-Bar

Auf einem grossen Tisch im Schatten vor dem Ayurvedabereich steht für jeden Gast ein Plastikbehälter bereit, mit Namen und Zimmernummer versehen, dessen Inhalt individuell von Namil, dem Medicine-Man, wie wir ihn nennen, zusammengestellt ist.
Meiner enthält:

1 Stamperl mit einer milchig-goldgelben Flüssigkeit
4 ayurvedische Tabletten
1 Stamperl mit Honig und etwas beigem Pulver darauf
1 Teelöffel, in Papierserviette eingepackt
1 Stamperl mit einer schwarzen Flüssigkeit

Wir haben keine Ahnung was das alles ist und wofür es gut sein soll, aber dennoch führen wir täglich zweimal, um 8 und 16 Uhr (ich total unregelmässig), folgendes Ritual durch: Zuerst das Milchige zusammen mit den Tabletten schlucken, dann Löffel auspacken, die Honigmischung damit verrühren und löffeln, anschliessend das Schwarze trinken. Wir verlassen den Ort des Grauens mit brennendem Mund. Naja, wenn’s hilft.

Es folgen die selben Behandlungen wie am Vortag.

Namil, der Medicine Man

Meine ayurvedische Medizin

Steffi, Inge und Christine

 

Und dann erst mal relaxen


Ambalantota

An der Rezeption liegt eine Liste aus, in die man sich einträgt, wenn man eine Fahrt zu den vom Hotel angebotenen Zielen buchen will. Das soll mindestens einen Tag vorher geschehen, da die Behandlungspläne darauf abgestimmt werden müssen. Es wurde bald klar, dass dies in den seltesten Fällen auch klappt. Aber da ich auch vom Land was sehen wollte und nicht nur Terminen nachjagen, fing ich an, Behandlungen auszusetzen.
Heute habe ich mich für die Fahrt zur Stadt Ambalantota und zum Meteor Beach eingetragen, hätte aber Behandlungen. Die Damen ziehen diese natürlich vor.
Mit einem Kleinbus fahre ich mit weiteren 7 Hotelgästen los. Die Fahrt kostet nichts und für jeden Gast liegt eine Flasche Wasser im klimatisierten Bus bereit.

Mit der üblichen Fahrweise, die uns aber nicht mehr sonderlich beeindruckt nach den sieben Stunden Anreise, erreichen wir das 6 km entfernte Ambalantota.
Es geht hektisch zu, die Strassen sind voller Leute und Autos. Es ist sehr laut. Der Bus hält "Downtown" und jeder hat eine Stunde Zeit sich umzusehen. Ich schlendere die Strasse entlang, die über keinen Gehsteig verfügt, es stinkt nach Diesel, 2-Takt-Sprit und nach der Kloake, die in den Betonrinnen an beiden Seiten der "Main Street" steht. Eine unterirdische Kanalisation gibt es anscheinend nicht. Vielerorts plärren aus Lautsprechern Stimmen die schätzungsweise Werbung für den zugehörigen Laden machen. Ich entdecke einen Stand an dem Klamotten verkauft werden. Ich bin von meinen Damen beauftragt, ihnen Sarongs mitzubringen. Diese werden eigentlich von Männern getragen, aber man kann sie ebenso als Rock tragen. Ich kaufe vier Stück mit Preisen zwischen 300 und 900 Rupies.

Markt in Ambalantota

 

 

 

Ambalantota Impressionen I

Ambalantota Impressionen II

Das man sich nicht in einem Touristengebiet befindet, merkt man an den Blicken der Leute. Man wird teilweise angesehen, als komme man von einem anderen Stern. Gewissermassen trifft das auch zu. Vor allem Kinder werden still und schauen mit grossen Augen. Mir gefällt das, nicht das mich die Leute so ansehen, sondern die Gewissheit, dass es noch Gegenden auf der Erde gibt, die noch nicht vom Tourismus versaut sind, auch wenn dieser den Leuten helfen könnte.
Durch eine Seitenstrasse entdecke ich den Marktplatz. An zahlreichen bunten Ständen werden Kleider und Stoffe verkauft, aber auch Lebensmittel und allermöglicher Krimskrams. Auf der Strasse grinst dich fast keiner an, aber hier lachen und grüssen dich einige, vornehmlich Standbesitzer, "Hello! How are you?".

Ich habe noch Zeit und setze mich an die Strasse. Eigentlich würde ich jetzt gerne ein Bier in einer gemütlichen Kneipe trinken, aber sowas gibt es weit und breit nicht, ein kleiner Nachteil des fehlenden Tourismus. Während ich so da sitze und die rege Strasse beobachte, fällt mir auf, daß trotz der vielen Fahrzeuge, die hier auf und ab fahren, die wenigsten Privatautos sind. Die meisten Menschen bewegen sich zu Fuss, auf Rädern und Motorrädern oder in Tuk-Tuks, anscheinend dem wichtigsten lokalen Verkehrsmittel, denn es gibt Massen von ihnen. Viele Kleinbusse sieht man und die grossen sind so vollgestopft, daß die Leute aus den Türen quellen. Sie brettern wie die Verrückten unter Hupen durch die Stadt. Solche Fahrer würden in Deutschland längst im Knast sitzen. Die Fahrzeuge sind teilweise so verbeult und verrostet, dass ich mich frage, warum sich die überhaupt noch fortbewegen können. Selten kommt mal ein Pickup oder Jeep vorbei und ganz selten mal ein "normales" Auto.
Jede Menge Kühe trotten die Strasse entlang oder überqueren sie, ich frage mich, wo die hin wollen. Sie tragen sowas wie ein Brandzeichen, aber ich glaube, es wurde ihnen eher mit einem Messer eingeritzt. Viele Hunde kommen vorbei, teilweise arme Kreaturen, dürr und ohne Fell, sich ständig kratzend, oder humpelnde, wahrscheinlich angefahren. Katzen sieht man kaum.

Foto ©hristine


Am "Meteor Beach" in Ussangoda

Ich gehe zurück zu unserem Bus und wir fahren weiter.
Wir brettern durch eine Mondlandschaft mit rotem Sandboden und wenigen grünen Büschen bis wir den Strand von Ussangoda erreichen, oder besser, die Klippe über dem Strand, etwa 10 Meter über dem Meer.

Fahrt zum Meteor Beach I

Fahrt zum Meteor Beach II

Fahrt zum Meteor Beach III

Wir stehen an einem halbrunden Krater, etwa 200 Meter im Durchmesser. Der Boden des Kraters ist gleichzeitig der Strand, die eine Hälfte ist Krater, die andere vom Meer verschluckt. Keiner weiss genau wann, aber hier hat vor ein paar tausend Jahren ein Eisenmeteorit eingeschlagen. Es liegen noch grosse Trümmer von dem Ding rum. Sie besitzen die charakteristischen Schlieren und Aushöhlungen wie sie nur in Meteoritengestein zu finden sind. Ich nehme einen kleinen aber schweren Stein mit.
Am Kraterboden stehen ein paar Palmen und etliche liegen am Boden. Wir warten noch auf den berühmten Sri Lankischen Sonnenuntergang, aber der verläuft ziemlich langweilig und wir fahren zurück.

Ussangoda (Meteor Beach, Google Earth Placemark)

Trümmer des Eisenmeteoriten

 

 

 

Beim Abendessen beschliessen wir vier, am nächsten Tag mal zum Schwimmen im Indischen Ozean zu gehen und organisieren uns einen Fahrer.