Reisebericht Sri Lanka 6.4. - 22.4.2005

Erfahrung zwischen Ayurveda und Tsunami

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So 10.4. Bad im Indischen Ozean / Die Restaurants des Oasis

Wir vier plus Fahrer und Beifahrer, also mit 2 Bodyguards, fahren mit dem Kleinbus los, und ich stelle erstaunt fest, dass wir denselben Strand ansteuern wie gestern, den Meteor-Beach in Ussangoda.
Wir lassen uns zuerst rechts des Kraters nieder. Hier gibt’s keinen Schatten und wir gehen sofort ins mindestens 30 Grad warme Meer schwimmen. Relativ grosse Wellen kommen herein und ich stürze mich in sie. Das hatte ich schon sehr lange nicht mehr und geniesse es. Am Strand winkt Inge. Als ich zu ihr komme sagt sie "Jetzt hast du deine Brille verloren!". Ich Idiot hatte meine Brille aufgelassen! Bin jetzt halbblind!

Unseren Bodyguards wird es zu heiss, sie sind besorgt über die "rauhe" See und damit um unsere Gesundheit, und wir ziehen um in das Halbrund des Kraters. Hier ist es etwas ruhiger, dafür gibt es Korallenbänke. Wir werden ermahnt, beim Schwimmen gut aufzupassen. Ich sehe jetzt alles doppelt und kann keine Gesichter mehr erkennen.
Wir sitzen unter den paar spärlichen Palmen inmitten umgefallener und plötzlich kommt mir, dass diese wahrscheinlich der Tsunami katastrophe 2004 zum Opfer gefallen sind. An den Palmen, die noch stehen, sind in 4 Metern Höhe die Äste abgerissen. Jetzt wird auch die Bedeutung der Müllsäcke klar, die etwas abseits am Kraterrand stehen. Ich sehe den Schädelknochen einer Kuh, der natürlich nichts mit dem Unglück zu tun haben muss. Ich frage den Fahrer und er sagt mir, dass dies mal der schönste Strand war, den es weit und breit gab. Er deutet auf eine Stelle an der Kraterwand und sagt, dort habe es ein gewaltiges Stück ausgeschwemmt, ausserdem sei das Wasser über den Kraterrand geschossen.

Nur hinein, das Wasser hat ~30 Grad!

Spärlicher Schatten unter Tsunami-Palmen

Der Tsunami zum Opfer gefallene Palmen

Abgerissene Äste in 4 Metern Höhe



Die Restaurants des Oasis

Am Abend nehmen wir unser ayurvedisches Essen ein, denn auch dieses fliesst in die Behandlung mit ein. Ayurveda ist ein Gesamtkonzept, das Geist, Körper und Seele umfasst, deshalb wird auch Yoga und Meditation angeboten aber anscheinend nur von wenigen Gästen beansprucht, auch von mir nicht.
Am Rande des Restaurants unter Palmen stehen auf mehreren Tischen Gefässe die mit einem hochklappbaren Deckel ausgerüstet sind, um die Speisen warm und Insekten fern zu halten. Drei der Tische sind mit Schildern gekennzeichnet: Vata, Kapha, Pitta. Man soll nur von seinem "Typ" essen. Diese enthalten verschiedene Currys und Dahl, ein Linsengericht, Reis und Gemüse in zahlreichen Variationen und vieles mehr. Ein Kennzeichen der ayurvedischen Kost ist, dass sie wenig Salz und Fett und kein oder wenig Fleisch enthält.
Aber es gibt noch einen anderen Tisch, von dem darf jeder essen. Da gibt es mal Truthahn in würziger Sosse oder Hähnchen in Limone oder auch Fisch. Dazu sehr gute Kartoffelgerichte.

Auch manche Suppen sind sehr lecker, die scharfe Spicy Soup oder die cremige Karottensuppe. Auf einem kleinen Tisch stehen Gewürze bereit, Chillipulver, Zwiebeln, Knoblauch, Koriander, Curry. Salat gibt es nur mittags, man kann ihn sich aus allem möglichen zusammenstellen und mit feinem Senf-Dressing würzen.
Ein Koch grillt auf einer grossen Platte entweder Lammkoteletts, die immer verführerisch duften und aussehen, aber mit Lamm habe ich’s leider nicht, oder Fisch, der auch gut duftet aber meist zäh und trocken ist. Schwein und Rind oder mal Hummer oder Garnelen, die direkt vor der Küste gefangen werden, gibt es entweder aus religiösen Gründen nicht oder weil dieses Fleisch ayurvedischen Gesichtspunkten nicht genügt.
Dazu gibt es Wasser, frisch gepresste Säfte wie Orange, Papaya, Mango, Lemon. Und natürlich ayurvedischen Tee jeglicher Couleur, neben Vata, Kapha, Pitta, auch Iramusu, Polpala, Ranawara, Peyava und viele mehr, nur keinen schwarzen. Und das im Land des grössten Tee-Exporteurs der Welt, Ceylon! Man soll täglich vier verschiedene Tees, passend zu den persönlichen Doshas natürlich, trinken. Und zwar drei Tassen von jedem. Auch das wird mir bald zuviel.

Das ayurvedische Restaurant unter Palmen

Christine, Inge und Steffi und eine Menge Tee

Verschiedene Curries und Dhal auf Inges Teller

Salate in allen Variationen

 

 

 

Wir freunden uns mit Mona an, wie wir ihn getauft haben. Er ist sowas wie ein Oberkellner. Die Leute hier haben furchtbar komplizierte und lange Namen, meist kann man sich nicht mal den Vornamen merken.
Mona heisst eigentlich Monasener oder so, er spricht schon recht gut deutsch, denn er lernt es im Wochendseminar und von Gästen. Sein Wunsch ist, eines Tages nach Deutschland zu gehen, auch Ruwan wünscht sich das. Eines Tages der Armut entfliehen, etwas Luxus haben. Mona verdient 40 Euro im Monat. Das reicht knapp, die Lebenshaltungskosten sind sehr niedrig, aber er bekommt natürlich auch einiges an Trinkgeldern.

Mona, Steffi und Chandra

Neben dem ayurvedischen Restaurant im Garten gibt es noch ein internationales, gleich daneben im Gebäude, für die "normalen" Gäste. Dort gibt es neben der internationalen auch die Sri Lankische Küche. Man könnte sich auch dort sein Essen holen, aber das sei verpönt wie Martina meint, denn es führe zum Nachmach-Effekt. Ich denke mir aber, dass kann eigentlich nicht sein, denn die Gäste, die hier eine Ayurvedakur machen, wollen diese auch korrekt durchziehen. Einmal habe ich es gewagt, mir dort was zu holen, aber mittlerweile habe ich mich an das Essen draussen gewöhnt und mag es. Ich könnte mich auch da reinsetzen und essen, aber der Raum ist eisgekühlt und allein macht es auch keinen Spass. Draussen unter den Palmen ist es bei weitem gemütlicher und lustiger. Der einzige Wermutstropfen draussen ist das laute Gebläse der Klimaanlage des Restaurants.

Fernando, der Hotelmanager, besucht fast täglich jeden Tisch und fragt wie's so läuft. Er ist ein legerer, freundlicher aber bestimmter Typ, den ich nie mit einer Krawatte sah, im Gegensatz zu den anderen von seinem Stab.

Fernando der Hotelmanager mit Inge und Christine

Links unter den Bäumen und Palmen das ayurvedische,
rechts unter dem Vordach das internationale Restaurant

Den Damen wird schon mal eine King-Coconut im 30 Grad warmen Pool serviert (Foto ©?)

Auch Doc Sarath geht täglich von Tisch zu Tisch. Er ist eine rechte Lachwurzn und immer gut drauf. Wenn ich ihn sehe frage ich "Hi Doc. How do you feel?" und er lacht, dass man meint, er schafft's nicht mehr und zieht mich auf wegen meiner Zigaretten und dem Bier. Ich sage ihm, dass Bier eine ausgezeichnete ayurvedische Essenz darstellt, er solle das mal untersuchen. Er lacht schallend, dabei streichelt er seinen dicken Bauch. Als ich am Anfang mal eine Zigarette am Tisch geraucht habe, verweist er mich lachend aber bestimmt, doch bitte den Garten dazu aufzusuchen, was ich seither auch gerne befolge. Stefanie freundet sich mit Chandra, einem der Köche, an. Vom "anderen" Restaurant bringt er ihr manchmal auserwählte Speisen an unseren Tisch. Stefanie mag es gern scharf und so besorgt er das "hotteste", das er finden kann. Die Sri Lankische Küche ist ja von Haus aus scharf, aber das was er ihr bringt glüht regelrecht! Das ist z.B. gebratener Fisch in Sosse und da ich es eigentlich auch gern scharf mag, probiere ich was. Der Fisch ist perfekt in seiner Konsistenz und Geschmack, aber die Sosse brennt mir den Mund aus! Sie scheint zu 100% aus den kleinen roten und getrockneten Chilischoten zu bestehen, nie im Leben habe ich schärferes gegessen! Stefanie isst die ganze Schale auf, ihre Geschmacksnerven müssen tot sein.

Chandra, Steffi und Inge

Danach gehen wir zum noch gemütlicheren Teil über und setzen uns an einen Tisch vor den Pool, wo auch eine Bar aufgebaut ist. Die anderen trinken Saft, Wasser oder Tee, ich als Aussenseiter noch einen Johnny Walker Black Label mit Eis und ein Bier, ein Sri Lankisches "Lion", in der grossen 625ml Flasche. Es stellt das "Becks" bei weitem in den Schatten. Ausserdem tue ich was Gutes dabei, denn eine Rupie vom Kaufpreis geht an Tsunamiopfer.

Das gute Sri Lankische "Lion"

Bar zwischen Hotellobby und Pool

Es wird auch mal ein Ständchen dargeboten