Reisebericht Sri Lanka 6.4. - 22.4.2005

Erfahrung zwischen Ayurveda und Tsunami

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Mo 11.4. Hambantota /  Kloster Madunagale

Heute hat der Wind merklich nachgelassen, es ist fast windstill, und wir vermissen ihn sofort. Zum einen ist es jetzt drückend feucht-heiss, zum anderen fressen uns die Fliegen Frühstück und Mittagessen weg, am Abend ist es besser. Bisher hatten wir keine Probleme mit den Fliegen aber jetzt nerven sie gewaltig. Auch während den Behandlungen belästigen sie einen und bringen die Masseure in Rage. Im Zimmer steckt der Roomboy am Abend ständig den elektrischen Verdampfer gegen Moskitos an, aber ich stecke die Giftschleuder wieder aus. Man kann sich auch ein Moskitonetz übers Bett hängen lassen. Wir haben gottseidank keine Probleme mit Moskitos, hie und da mal ein Stich und auch nie im Zimmer. Das mag während des Monsuns im Mai und Oktober anders sein.

Am Morgen ordere ich ein Tuk-Tuk und lasse mich nach Hambantota fahren, in der lauen Hoffnung, dort eine provisorische Brille zu erstehen. Schon auf der Fahrt dahin fallen mir grosse Haufen aus Müll und toten, zersägten Palmenresten auf, die in regelmässigen Abständen neben der Strasse liegen, es sind die noch nicht abgeholten Reste der Tsunami-Aufräumaktion. Halb abgerissene Palmen stehen noch da, Baumstümpfe mit min. 60cm Durchmesser, abgebrochen in 2m Höhe.
Der Strand verläuft hinter einem Deich rechts der Strasse, an einigen Stellen klaffen jedoch große Ausspülungen. Links der Strasse sehe ich grosse ins Land reichende Seen, in denen Mengen von Unrat schwimmt. Wie ich später erfahre sind hier auch die meisten Leichen angeschwemmt worden.

An der Strasse nach Hambantota

Wir steigen bei einem sogenannten Optiker aus, ein kleiner Laden, 3x3 Meter, und ich zeige der Angestellten oder Chefin meinen Brillenausweis. Sie studiert ihn, schüttelt den Kopf, sagt ein paar Worte zu meinem Fahrer aus denen ich das Wort "Colombo" raushöre. Das wäre der nächste Weg. Auch im nächsten Laden sehe ich nur Kopfschütteln. Ich versuche klarzumachen, dass es ja nicht genau diese Dioptrien sein müssen, doch vergeblich.

Hambantota Impressionen

Unverrichteter Dinge kehren wir um, doch entgegen meinen Vorsatz, niemanden zu bitten, mir die "Tsunami-Gebiete" zu zeigen, tue ich es doch und mein Fahrer sagt bereitwillig zu.
Wir fahren über eine Brücke die parallel zum Strand verläuft. Das Brückengeländer besteht aus ca. 10x10cm starken Betonsäulen in 1m Abstand. Auf der der See zugewandten Seite sind sie gebrochen und hängen nur noch an ihren Stahlarmierungen. Wir biegen nach rechts ab, mitten in eine Trümmerwüste. Hier, erklärt mein Fahrer, habe am Tag des Unglücks der wöchentliche Markt stattgefunden, das wirtschaftliche Zentrum von Hambantota, besucht von 3000 Menschen, hauptsächlich Familien mir ihren Kindern.
Langsam tuckert er den provisorischen Weg entlang, freigeschaufelt aus den Resten der Ruinen ringsum. Hier liegen noch Wracks von 10m langen, schweren Holzbooten, geschätzte 400m vom Strand entfernt.
Provisorische Buden stehen da, Zelte, aufgestellt von den verschiedensten Staaten, Niederlande, Frankreich, Spanien, Kuwait, Japan, und auch von der UNHCR. Kein Hinweis auf irgendein deutsches Engagement. (Jemand im Hotel erzählt mir später jedoch, er hätte Johanniter-Zelte gesehen.) Trotzdem sehe ich sehr wenige Menschen hier, der Platz wirkt regelrecht wie ausgestorben.

Ein kleiner Junge winkt mir vom Arm seiner Mutter zu, ich winke zurück und frage mich, wo unsere 500 Millionen Euro geblieben sind (Link 11.5.05), und ich würde der Mutter zu gern Geld geben. Davon ist uns jedoch abgeraten worden, da es für andere Dinge verwendet würde, etwa Alkohol und Drogen.

Über die Zahl der Toten erhalte ich vage Aussagen von verschiedenen Leuten, sie reichen von 4500 bis 10000 allein in Hambantota.
Stolz zeigt mir der Fahrer den neuen 80 Meter hohen Fernmeldeturm, ca 800 Meter vom Strand entfernt. Gleich daneben liegen die Reste des alten, ein Stahlknäuel, 4m hoch, 10m lang, mit herausgerissenen Fundamenten. Reste von Kleidern hängen drin. Wir fahren noch weiter ins Land und die Trümmer nehmen kein Ende.

Ich habe genug gesehen...

 

 

 

 

 

Der neue Fernmeldeturm...

...und der alte. Es hängen noch Kleiderfetzen drin

Fahrt über den Marktplatz

Fernmeldeturm


Madunagale

Am Nachmittag fahren wir in das zwei Stunden entfernte Buddhistische Kloster Madunagale. Es liegt im Dschungel auf einem Felsen. Bei der Ankunft werden wir von Affen begrüsst.

Fahrt nach Madunagale

Affentanz

 

 

 

 

 

 

 

Beim Abendessen kommt der Doc an unseren Tisch. Er meint in der Stadt Galle (hier wird es "Gol" ausgesprochen, aber es kommt eigentlich vom franz. Hahn) hätte ich gute Chancen, eine Brille zu bekommen. Und so organisiert er eine Fahrt für mich am nächsten Morgen um neun.