Reisebericht Sri Lanka 6.4. - 22.4.2005

Erfahrung zwischen Ayurveda und Tsunami

<<< Seite 5/13 >>>

Di 12.4. Matara / Dondra Head / Hambantota

Wir brechen mit dem Kleinbus Richtung Westen auf, nach der drei Stunden entfernten Hafenstadt Galle. Stefanie kommt mit, da sie die Stadt auch interessiert.
Immer wenn sich die Strasse der Küste nähert ähneln sich die Szenen. Schutthaufen, Pflanzenreste, Zelte, Baracken, Ruinen.

Wir erreichen Matara, die achtgrösste Stadt Sri Lankas, und stehen im Stau. Heute ist der Vorvortag des singhalesischen Neujahrs, die Leute kommen von überall her, um für das Fest einzukaufen, hauptsächlich neue Kleider. Wir kommen nur sehr langsam voran, bis unser Fahrer einen Juwelier entdeckt, der auch Brillen führt. Auch dort zunächst skeptische Blicke, der Chef bietet uns Stühle an, wir warten und er verschwindet. Nach einigen Minuten kommt er mit einer Brille zurück, meiner verlorenen nicht unähnlich, ich setze sie auf, und siehe da! Ich bin wie neugeboren. Das Ding hat zwar billige Plastikgläser und eine Dioptrie weniger, aber ich sehe zumindest nicht mehr doppelt und kann Gesichter erkennen. Ich berappe 3000 Rupies, 24 Euro.

Wir beschliessen aber trotz verrichteter Dinge nach Galle zu fahren und sagen dies unserem Fahrer. Aber der blickt auf seine Uhr und meint, er müsse um 5 jemanden auf den Flughafen Colombo bringen und lehnt somit ab. Wir verstehen nicht ganz. Hätten wir hier keine Brille gefunden, hätte er doch auch nach Galle weiterfahren müssen? Wir bequatschen ihn noch weiter, aber ich habe den Eindruck, er hat einfach keinen Bock, und geben auf. Wenn er sich’s leisten kann? Vielleicht hatte er aber nur Bedenken wegen der Staus auf die wir wahrscheinlich auch in den nächsten Städten treffen würden. Aber das hätte er ja wissen müssen, dass es am Neujahrsvortag so zugeht.


Dondra Head

Auf der Rückfahrt befehlen! wir unserem Fahrer noch einen kurzen Stop am Dondra Head (Google Earth Placemark) einzulegen, dem südlichsten Punkt Sri Lankas, von dem auch Karl May erzählt und Captain Thorpe schildert, wie man von dort am besten in die Strasse von Malacca, zwischen Sumatra und Malaysia gelegen, kommt. Am Dondra Head steht ein alter 65m hoher Leuchtturm an einem palmengesäumten kleinen Strand. Doch auch hier die unübersehbaren Male.

Leuchtturm am Dondra Head

 

 

Von der Welle umgerissene Betonsäulen eines Zaunes



Nochmal Hambantota

Also was mit dem angebrochenen Tag anfangen?
Wir beschliessen auf einen Shoppingtrip nach Hambantota zu fahren und von dort mit dem Tuk-Tuk zurück ins Hotel zu fahren. In Hambantota angekommen zahle ich dem Fahrer 4000 Rupies, 32 Euro, für die Fahrt, es waren immerhin ca.120km. Also die Brille kam relativ teuer.

Steffi und ich stehen unentschlossen rum, es ist Mittag und höllisch heiss. Wir suchen sowas wie den kleinen Hinterhofmarkt in Ambalantota.
Während wir uns im Schatten einer Palme mit 30er Sonnenschutz einreiben um nicht völlig zu verbrennen, hält ein Tuk-Tuk. Der Fahrer fragt uns wohin wir wollen. Schliesslich steigen wir nur ein, um im Fahrtwind abzukühlen und lassen uns in der Stadt herumfahren.
Schnell stellt sich heraus, dass wir einen sehr guten Fahrer erwischt haben. Er spricht das beste Englisch das ich hier gehört habe und erzählt während der Fahrt interessante Dinge. Wir fahren auf eine Anhöhe, von der man den ganzen Hambantota Beach überblicken kann. Er deutet auf die Fischerboote die da liegen und erklärt, die seien alle nagelneu, von der Regierung gestellt. Aber er erzählt auch von den ewig langen Streitereien im Sri Lankischen Parlament, wie und was nun mit den erhaltenen Spenden anzufangen sei, während an der Küste noch Menschen starben.
Er lebt höher in der Stadt und was er von der Welle noch gesehen hat, war ihr Rückzug. Wie das Wasser die Main Street runtergerauscht ist und da nochmal alles, auch Menschen, in die andere Richtung mitgerissen hat.
Dann fährt er durch die Trümmerwüste, die ich gestern schon allein durchquert habe. Er sagt aber noch dazu, dass man hier zig tausende Tonnen von Sand abtransportiert hat, um eine ebene Fläche zu erhalten. Und eben über genau diese konnte das Wasser so weit ins Land hinein rauschen. Somit trägt der Mensch wiedermal Mitschuld.

Aber er will uns nicht nur Trümmer zeigen, sondern auch die Aufbauarbeit.
Im Hinterland von Hambantota fahren wir entlang grosser Salinen, die Gegend wird mehr und mehr zur Savanne, man könnte denken, man sei in Afrika. Er sagt, hier könne man Elefanten füttern und sich dabei das teure Geld sparen, das die Nationalparks verlangen. Man bringt um 6 Uhr abends einfach Obst und stellt es in die Savanne, die Elefanten kämen dann von selbst. Hier begegnet einem allerlei Getier: Leguane von 30cm bis über 1m, Pfauen, Affen, Wasserbüffel, Reiher und andere Vögel. Von Elefanten sehen wir nur deren Ausscheidungen.
Er zeigt uns die grosszügige Trasse für eine "Avenue" zu den neuen Siedlungsgebieten. Dort angekommen sehen wir nagelneue Bulldozer und Planierraupen in rauhen Mengen herumstehen, einige Bauten stehen schon, kleine Reihenhäuser.

Das neue Hambantota entsteht (Google Earth Placemark)

Auf der Rückfahrt kehren wir noch im "Hambantota Rest House" ein, ein über der Bucht gelegenes, im kolonialen Stil gehaltenes Restaurant.Wir sitzen im Aussenbereich unter Arkaden und ich lade Monsul, wie unser Fahrer heisst, auf ein Bier und ein paar Zigaretten ein, da sagen auch Singhalesen nicht Nein. Er gibt uns noch seine Telefon-Nr, dann bringt er uns zurück ins Hotel.
Für die mindestens 30km und die lange Zeit, die er mit uns gefahren ist und geführt hat, verlangt er 600 Rupies, ~5 Euro.

Hambantota Rest House

Unser Fahrer Monsul und Stefanie (noch mit Shirodhara Haube)