Reisebericht Sri Lanka 6.4. - 22.4.2005

Erfahrung zwischen Ayurveda und Tsunami

<<< Seite 6/13 >>>

Mi 13.4. Shirodhara Behandlung / Kataragama

Am Morgen um 7 Uhr erhalte ich mein erstes "Shirodhara", den berühmten Ölguss über die Stirn, das Klischee, das manchem als erstes zu Ayurveda einfällt. An einer Holzstange, die von einer Kabinenseite auf die andere langt, hängt an höhenverstellbaren Ketten eine mit Gravuren verzierte Schale aus Messing mit einer etwa drei Millimeter grossen Ablaufbohrung in der Mitte des gerundeten Bodens.

Diesmal liege ich andersrum auf dem Tisch. Mein Hals liegt auf einer Nackenstütze, unter meinem Hinterkopf befindet sich ein Ablauf für das Öl. Als ich mit dem Kopf unter der Schale liege, legt mir Roshan leider ein schmales Tuch über sie Augen, so dass ich nicht sehen kann was weiter passiert.
Von dem was ich so höre gehe ich davon aus, dass er mit einem Guss schätzungsweise 1 Liter erwärmtes Öl in die Schale giesst und sofort langsam zu pendeln beginnt. Ich fühle den warmen Strahl auf meiner Stirn hin und her wandern, es fühlt sich an wie ein Finger, der über die Stirn streicht. Es ist zwar ganz angenehm aber nicht wirklich berauschend. Man erzählt, dass auf diese Weise die Neurotransmitter im Gehirn auf Trab gebracht würden, manche Leute hätten mit Lachen oder Weinen reagiert.

Ich habe anscheinend keine Neurotransmitter oder sie haben gerade was anderes zu tun.

Das aufgefangene Öl wird in eine Flasche gefüllt und zur Wiederverwendung mit der Zimmernummer gekennzeichnet. Diese Information habe ich aber nur vom Hörensagen, gesehen habe ich es nicht.
Anschliessend wird mir eine Haube um mein öliges Haar gebunden. Mit diesem Ding auf dem Kopf soll ich mich jetzt längere Zeit ruhig hinlegen und meditieren, oder so, aber ich schreibe an diesem Bericht.

Meine Damen mit Shirodhara-Haube


Kataragama

Um 16 Uhr brechen wir mit zwei Kleinbussen nach Kataragama (Google Earth Placemark) im Südosten der Insel auf, dem heiligsten Ort Sri Lankas. Nach zwei Stunden Fahrt stehen wir auf einem Marktplatz. Hier, erklärt Martina, könne man eine Schale mit Obst erwerben, die man einem der Priester im Haupttempel überreicht, um gesegnet zu werden, oder so. Es gibt sogar Träger, die einem die Schale dahin tragen. Etwas später stellt sich heraus, dass der Tempel geschlossen ist, da die Priester anscheinend auch Neujahr feiern.

Kataragama Shop (©hristine)

Hinter dem Eingang zur riesigen Tempelanlage sitzen Bettler an beiden Seiten des breiten Weges und kleine Jungens hauen einen um Geld an, teilweise 4 oder 5 Jahre alt. Martina meint, denen sollten wir nichts geben, da sie die Haupteinnahmequelle so mancher Familie sind, sie sollten lieber zur Schule gehen, da hätten sie auf Dauer mehr davon.
Es sind sehr viele Menschen hier, zuerst fühle ich mich an den Englischen Garten erinnert. Wir überqueren einen schmalen Steg über den Fluss Menik Ganga, in dem sich viele Gläubige waschen.

Brücke über den Menik Ganga

Durch den Park

Dann stehen wir vor einem Tor zu einem anderen Teil der Anlage und ziehen unsere Schuhe aus, wie üblich in heiligen Gemäuern.

Vor uns liegt eine 15 Meter breite und mindestens 500 Meter lange Sandstrasse, an deren Ende der weisse Tempel steht. Ein erhabener Anblick, ich fühle mich mitten in Indien, obwohl ich da noch nicht war.

Hier sind die wichtigsten Religionen Sri Lankas vertreten, Hindus, Buddhisten, Muslime, sozusagen eine Ökumene. An Ständen, die an beiden Seiten der Strasse stehen, kaufen wir Lotosblüten und Räucherstäbchen, um sie am Tempel diversen Göttern zu opfern. Am Tempel selbst sehe ich einige wundervolle Gesichter, Tamilen, deren Frauen durch den Punkt auf der Stirn erkennbar sind. Da können die sogenannten "bildschönen" einpacken, Klum und Konsorten, das hier sind wahre Schönheiten.

Es ist schon dunkel und wir beobachten schaurige Szenen.
Ein Mann rollt sich in Trance Gebete stöhnend Richtung Tempel, er ist voll Sand und Kot, bekleidet nur mit einem Lendenschurz, begleitet von weiteren Männern die neben ihm hergehen und auf ihn aufpassen, bzw. promoten.
Ein anderer zieht unter Wehklagen drei Männer gen Tempel, sie hängen an Seilen die mit Stahlhaken in seinem Rücken verankert sind. Gewissermassen wie ein Ochse im Joch.

Waschung im Menik Ganga

 

Sie hat mich auf der Brücke entdeckt

 

Der Kleine begleitet uns. Inge, Steffi, Christine und Martina

Foto ©hristine

 

Auf dem Weg zum Haupttempel

Wasserbüffel im Park

Chandrika - auch eine Begleiterin

Wir erstehen Blumenspenden

Kuppel des Haupttempels Kiri Vehera

 

Kataragama

Kinder singen ein Mantra

Auch wir zelebrieren ein seltsames Ritual.
Jeder bekommt eine Kokosnuss, die man mit beiden Händen vor sich hält. Auf die Nuss wird ein Stück Campher gelegt und angezündet. Plötzlich ist man ist froh, einen Raucher dabei zu haben.
Während die Flamme brennt, wendet man sich dem Tempel zu und überlegt, was man in seinem Leben alles nicht mehr haben will.
Ist die Flamme erloschen, betritt man eine Opferstätte, die von einem Gitter umgeben ist und schleudert die Nuss mit aller Kraft auf einen Stein am Boden inmitten des Gitters. Zerplatzt die Nuss, hat der Gott die Bitte angenommen, wenn nicht, hat man noch zwei Versuche. Inge braucht noch zwei, meine zerfliegt beim ersten in tausend Teile.
Schaun mer mal.

Inge und ihre Kokosnuss

Inmitten des Gitters der Stein, auf dem die Nuss zerplatzen soll

Insgesamt war dieser Tag für uns einer der eindruckvollsten.