Reisebericht Sri Lanka 6.4. - 22.4.2005

Erfahrung zwischen Ayurveda und Tsunami

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Fr 15.4. Dr. Alawattegama

Wir bleiben im Hotel und geben uns den Behandlungen hin.

Heute bekomme ich auch ein "Special Treatment". Bei der Erstkonsultation habe ich Probleme im Hals-/Nackenwirbelbereich angegeben, diese werden mit einer individuellen Behandlung angegangen. Ein Knabe, den ich bis dahin noch nicht hatte, packt mal ordentlich zu. Es ist schon eine regelrechte medizinische Massage, mit zig Spezialkniffen, die aber immer kurz vorm Schmerz bleibt. Sie dauert nur 10 min, ist aber sehr wohltuend.

Dann folgt ein 40 minütiges "Intensive Treatment", das Roshan allein durchführt. Im Prinzip ist es eine Ganzkörpermassage aber mit Betonung auf Knochen und Gelenke.

Ich liege zuerst auf dem Rücken und er beginnt mit dem rechten Arm. Es wird mit viel Öl massiert, dann fährt er mit festem Druck Elle und Speiche ab, legt einen Finger in die Armbeuge und knickt den Unterarm gegen die Schulter. Er umfährt kraftvoll das Schultergelenk, dann umgreift er fest den Unterarm kurz über dem Handgelenk und kreist meine Hand in ihrem maximalen Drehbereich. Er streckt und beugt jeden einzelnen Finger, wobei er jedes Gelenk massiert. So verfährt er mit dem ganzen Körper, jeder Knochen und jedes Gelenk, das er finden kann, erfährt eine Massage.

Da ich sowieso schon auf dem Bauch liege und in den Kasten schaue, folgt die "Herbal Inhalation", die Kräuterinhalation. Roshan stellt einen heissen Wassertopf auf den Boden des Kastens, öffnet den Deckel leicht und fragt, ob’s so Ok ist. Ich ersticke fast und bitte ihn, den Topf ein wenig mehr zu schliessen. Was in dem Topf ist, habe ich nie gesehen, aber ich vermute Mal ein flüssiges Kräuterextrakt, ähnlich dem Kräuterbad. Roshan schliesst die Tür des Kastens und legt mir noch ein Handtuch über den Kopf. Ich schwitze wie sonst noch was und bekomme fast keine Luft. Als Roshan geht, nehme ich das Handtuch weg und hebe meinen Kopf etwas an um frische Luft zu bekommen. Inhalationen waren noch nie meine Sache.

Zum Schluss wie immer das Kräuterbad. Ich fühle mich sehr gut.

Am Abend habe ich Konsultation beim "echten" Doc, Dr. Alawattegama. Um 16:40 Uhr wäre mein Termin gewesen, aber auch um 18 Uhr sitzen noch 5 Leute im Wartezimmer. 10 min Sprechzeit bei ihm sind viel zu kurz anberaumt, da er sich sehr viel Zeit für jeden Gast nimmt.
Schliesslich komme ich dran, um 19 Uhr.
Der Doktor ist ein kleiner, älterer Mann, sehr ruhig und weise wirkend. Er hat chinesische Gesichtszüge ist aber Singhalese. Allgemein wird er als der "Papst" unter den Ayurvedaärzten angesehen.
Er blickt mir tief in die Augen und sagt: "Hallo, wie geht es ihnen?". Er spricht deutsch! Sehr gut sogar.Wir können uns die ganze Sitzung fast ausschliesslich in deutsch unterhalten. Martina sitzt trotzdem dabei.
Er führt dieselben Tests wie Dr. Sarath durch, misst aber einen anderen Blutdruck. Er fragt mich, wie ich schlafe, wie der Stuhl ist, ob ich Appetit habe, etc. Dann fragt er Assistentin Wasanthie nach meiner jetzigen Medikamentation und ändert diese ab.
"Haben sie noch Fragen?" richtet er sich an mich. Ja, hätte ich, aber etwas genervt durch die lange Warterei und um die anderen nicht noch länger draussen sitzen zu lassen, verneine ich.
Am Schluss sagt er mir noch "Sie haben Anlagen zu Arthritis". Ich erwiedere "Hmm, keiner in meiner Familie hat Arthritis, soviel ich weiss". "Wenn der Doktor das sagt, stimmt das" meint Martina.