Reisebericht Sri Lanka 6.4. - 22.4.2005

Erfahrung zwischen Ayurveda und Tsunami

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So 17.4. Thermische Behandlung & Dampfbad

Grossflächig erneuert sich meine Haut. Ich kann breite lange Streifen der alten überall an meinem Körper abziehen, nicht nur an den von der Sonne verbrannten Stellen. Sogar ein Restfleck einer Schuppenflechte an der rechten Wade, die ich seit Monaten daheim täglich aber vergeblich mit Cremes einrieb, verschwindet.
Die Kur zeigt ihre Wirkungen.

Heute habe ich neben Kopf- und Gesichtsmassage wieder mal was neues, ein "Thermal Treatment", eine thermische Behandlung.
Ich werde, auf dem Rücken liegend, von Roshan und noch einem Knaben mit angewärmten Öl begossen. Es muss sich um mehrere Liter handeln, so wie es sich das anfühlt. Dann wird mein Körper mit kleinen Säckchen in denen sich Reis befindet sozusagen "gestempelt".
Bei der ersten Berührung zucke ich zusammen, die Dinger sind kochend heiss, man würde sich verbrühen, wenn man sie auf der Stelle liegen liesse, aber im schnellen Rhythmus der Trommelei verbrennen sie einen nicht und kühlen ausserdem ab. Sind sie kühl genug, werden die Bewegungen langsamer und druckvoller. Wenn sie die Knaben für zu kühl befinden, heizen sie die Säckchen in einer Pfanne wieder auf, das geschieht bis zu 4 Mal pro Körperteil. Als sie mit Armen und Brust fertig sind, legen sie ein Handtuch um den Oberkörper und machen sich an die Beine. Sie drücken das dünnflüssige Öl tief in die Poren, wo es Gifte absorbieren soll. Anschliessend drehe ich mich auf den Bauch und sie bearbeiten meine Rückseite.

Um die angesammelten Gifte auszuschwemmen folgt das "Steam Bath", das Dampfbad.
Ein fassähnlicher, aus schwerem Holz gebauter Apparat wird aufgeklappt, darin ein Holzrost auf den man sich legt. Im Bereich des Rückens und der Füsse liegt ein Handtuch. Unter dem Rost stehen drei heisse Wassertöpfe. Roshan klappt vorsichtig den Deckel zu, ich schaue nur noch mit dem Kopf, der auf einer Stütze liegt, aus der Apparatur. Damit kein Dampf aus dem Ausschnitt um meinen Hals austritt, legt er ein Handtuch um die Stirnseite des Deckels und dichtet den Bereich um den Hals damit ab.
Ich liege da, in 60 oder 70°C heissem Dampf und schwitze. Roshan kommt mal vorbei und tupft mir den Schweiss aus dem Gesicht. Dann geht er wieder. Mir wird heisser und heisser und ich komme ins Grübeln. Was, wenn der Deckel versperrt ist? Panik kündigt sich an, Christine hat aus diesem Grund diese Behandlung verweigert. Ich versuche von innen den Deckel anzuheben, und siehe da, es geht. Ich bin etwas beruhigt. Aber anscheinend hat Roshan das gehört und fragt "Ok?". Meine vage Antwort nimmt er zum Anlass um mich grinsend aus dem Gefängnis zu befreien. Roshan ist eigentlich mehr ein ernster Typ, er lächelt eher selten. Wahrscheinlich hat er aber diese Reaktion bei europäischen Weicheiern schon öfter erlebt.

Abschliessend, wie immer, das Kräuterbad. Für heute genügt es mit der Hitze.

Das Dampfbad, die Folterkammer

Inge nimmt's gelassen