Reisebericht Sri Lanka 6.4. - 22.4.2005

Erfahrung zwischen Ayurveda und Tsunami

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Mo 18.4.

Ich werde jedesmal von neuem überrascht von der warmen feuchten Luft, wenn ich am Morgen die Balkontür unseres klimatisierten Zimmers öffne. Ich liebe dieses Klima. Man darf nichts Essbares oder gar Süsses auf dem Balkon zurücklassen. Einmal habe ich einen Teller mit ein paar Rosinen draussen stehengelassen. Diese wimmelten am nächsten Tag von 1mm kleinen Ameisen, und auch einige von den 1cm grossen roten waren dabei. Ein andermal liess ich eine Colaflasche und ein Glas auf der Balkonbrüstung stehen. Mitten in der Nacht hörten wir Krach und splitterndes Glas. Am nächsten Morgen lagen von Ameisen überzogene Splitter auf dem Boden. Das muss ein grösseres Tier gewesen sein, eigentlich kann nur ein Vogel dahinkommen, aber in der Nacht? Vielleicht war es auch der grosse Affe, von dem einige Gäste behaupten, er würde auf dem Hoteldach herumturnen. Ich habe ihn bis heute nicht gesehen. Vom Dachüberhang zur Balkonbrüstung sind es gute drei Meter, aber diesen Tieren ist ja alles zuzutrauen.

Dieses Foto wurde von ©hristine nachgeliefert. Er existiert tatsächlich!

Neben prächtigen schwarz-gelben Vögeln, die einen sehr wohltönenden Ruf ausstossen, kleinen Streifenhörnchen, die elegant in den Palmen herumturnen, neben Termiten und Pfauen, gibt es noch andere Bewohner des Hotelparks:

Er geht auch mal im Pool schwimmen

Ein 1m langer Waran (Foto ©Steffi)

Heute mache ich blau von den Behandlungen, werde deshalb von meinem Harem gerügt. Ausserdem wär's dasselbe Prozedere wie gestern. So schenke ich auch Roshan eine Freistunde, und ich kann in Ruhe an diesem Bericht schreiben.
Die Jungens arbeiten von 7 morgens bis 19 Uhr abends, 12 Stunden, ohne Sonn- und Feiertage und erhalten dafür 75 Euro im Monat. Angeblich streichen sie jedoch ein mehrfaches an Trinkgeldern ein.

Wir vier fahren mal wieder nach Ambalantota und haben wieder Pech mit dem Markt. Dafür kaufen wir in einer Ayurvedaapotheke was ein.

Ayurveda Apotheke

Alle möglichen Hölzer, Wurzeln, Nüsse


Di 19.4.

Der Himmel zieht sich zu. Muss das sein am vorletzten vollen Tag unseres Aufenthaltes?

Heute nehme ich das Dampfbad schon gelassener, der Vorhang ist auf, Stefanie kommt zufällig vorbei und sagt Hallo. Sowas hilft.
Trotzdem habe ich Roshan vorher gesagt "Only 10 minutes!".

Es gäbe noch viel in diesem Land zu sehen, das Bundala Bird Sanctuary, ein Vogelschutzgebiet indem es auch Krokodile gibt und die einzigen Flamingos der Insel, gerade mal eine halbe Stunde von hier.
Den Yala Nationalpark, der grösste im Lande, auch ganz in der Nähe im Osten. Sinharaja, der letzte Rest natürlichen Regenwaldes, gerade mal 20km lang und 5km breit, auf einer Insel die 400km lang und 250km breit ist.
Trincomalee an der Nordostküste hat angeblich den schönsten Naturhafen der Welt.
Besonders würde mich noch Kandy interessieren mit seiner turbulenten Geschichte, eine immer noch kolonial anmutende Stadt in den Bergen, das Zentrum des Teeanbaus auf Ceylon.
Und Adam's Peak, ein buddhistisches Heiligtum, mit 2243 Meter zweithöchster Berg Sri Lankas nach dem Pidurutalagala (2524m).

Wenn man so eine Kur auf Sri Lanka plant, aber auch was vom Land sehen will, sollte man zuerst eine einwöchige Rundreise machen und dann die Ayurvedakur antreten.
Das Land hat jede Menge zu bieten.

Gegen 6 Uhr am Nachmittag beginnt es kurz aber gewaltig zu duschen, der erste Regen, den wir hier an der Küste erleben.
Das Personal vom Ayurveda-Restaurant hat vorsorglich alle Essensgefässe unter der Markise des "normalen" aufgebaut, wo wir heute auch zu Abend essen. Viele Kurgäste nehmen das zum Anlass, mal richtig international zuzulangen. Draussen am Ayurveda Stand ist kaum was los. Meine Damen sind natürlich eisern, aber so eine "unkoschere" Schokorolle zum Dessert lassen sie sich auch nicht entgehen.

(Nebenbei erfahren wir, daß Josef Ratzinger zum Papst ernannt wurde.)


Mi 20.4.

Nach meiner Behandlung - das Dampfbad nahm ich schon ganz gelassen - treffen wir uns mit Martina beim Mittagessen, das gottseidank im Palmenhain stattfinden kann. Es hat heute schon geregnet, jetzt lichtet es etwas auf.
Wir müssen unsere Rückreise besprechen, die wir morgen antreten. Wir haben versucht, über Martina unseren Heimflug nach München umzubuchen. Leider hat das nicht geklappt, da wir ein Billigticket haben. Abflug also nach Frankfurt am Freitag um 3:45 Uhr früh. Und noch dazu werden wir in Paris zwischenlanden. Die Rückreise wird also noch länger und beschwerlicher. Morgen bekommen wir noch Behandlungen und zum Abschied ein "Flower Bath".
Nach dem Mittagessen um zwei Uhr nachmittags werden wir die Küstenstrasse nach Colombo nehmen und da wir dann über 14 Stunden Zeit bis zum Abflug haben, schlägt Martina diverse Zwischenstops vor, um noch was anzusehen, zu essen oder einzukaufen.

Am Nachmittag erhalten wir einen Sariwickelkurs, arrangiert vom Doc. Er höchstpersönlich zeigt mir, wie man den Sarong bindet.

Komplizierte Wickelaktion...

...bis es soweit ist.

Foto ©Steffi

Ein letzter abendlicher Strandspaziergang zu viert, nochmal die warme See spüren. Einheimische Kinder spielen am Strand.
Als wir vorbeigehen, kommen sie auf uns zu und lachen, wollen wissen wie wir heissen und stellen sich auch selbst vor. Auch eine Frau ist dabei, die ich zuerst auch für ein Kind gehalten habe, sie würde uns gerne zu sich nach Hause einladen.
Aber wir termingestressten Touries müssen ablehnen, Martina will beim Abendessen noch mit uns reden. Die Offenheit und Freundlichkeit der Leute trägt einen wesentlichen Teil zu unserem Wohlbefinden bei. Zwei Jungen baden in der Brandung, sie sind mit der See aufgewachsen, kennen ihre Gefahren. Auch sie kommen auf uns zu, fragen und erzählen. Der eine ist Lobster-Fischer, die gäbe es gleich da draussen, an den schwarzen Korallen, also praktisch vor unserer Haustür. Gegessen habe ich nie einen.

Keiner der beiden hat jemand in der Tsunami verloren. Gut zu hören. Sie zeigen auf den Kamm des Strandes, hier an dieser Stelle kann man gut den Maximalstand der Superwelle ablesen.

Abrisskante der Superwelle

 

Foto ©Steffi

Strand

This is the End