Reisebericht Sri Lanka 6.4. - 22.4.2005

Erfahrung zwischen Ayurveda und Tsunami

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Do. 22.4. 14:00 Uhr Abreise

Nach einem letzten Mittagessen machen wir uns schweren Herzens auf den Weg. Der Doc, Martina und sogar Fernando, der Manager, winken uns nach.
Ruwan, die treue Seele die uns schon in Colombo abgeholt hat, bringt uns auch wieder hin. Darauf haben wir bestanden.
Unser Flug geht erst am Freitag um 3:45 Uhr früh. Wir haben also jede Menge Zeit, deshalb hat uns Martina noch ein paar Stationen empfohlen, die wir bei unserer Fahrt auf der Küstenstrasse ansteuern wollen.

Wir machen den ersten Halt in Dikwella, wo der grösste Buddha Sri Lankas steht, 25 Meter hoch. In seinem Inneren kann man über mehrere Etagen bis zum Kopf hochsteigen.
Dort blickt man durch eine kleine runde Glasscheibe in den Kopf des Buddhas, wo geweihte Gegenstände stehen:

Blick in den Kopf

Jeder der hineinblickt, bekommt von einem Mann, der nicht gerade wie ein Mönch aussieht, einen buddhistischen Segen zugesprochen, wobei er mit der Hand auf unseren Kopf tatscht.

Ansonsten gibt es noch mehrere andere düstere Hallen in denen Riesenbuddhas herumstehen oder liegen. Irgendwie finden wir das alles kitschig und verstehen nicht so ganz, was das mit der "reinen" Lehre Buddhas zu tun hat.

Wewurukannala Vihara, Dikwella

 

 

Auf unserem Weg nach Galle passieren wir noch die Strände der bekannten Stelzenfischer bei Koggala.
Schon weit vor Galle stellen wir fest, dass hier die Tsunamischäden ungleich massiver sind. Hier stehen nicht mehr nur vereinzelt Zelte, sondern ganze Zeltstädte. Das es hier so wüst aussieht und soviele Tote gab, ist wohl zwei Umständen zuzuschreiben:
Zum einen wohn(t)en hier sehr viele Menschen, zum anderen existiert kein breiter Strand oder gar ein Deich wie in der Hambantota Region.
Manchmal führt die Strasse bis auf 10 oder 15 Meter an den Strand. Die Welle konnte ungebremst bis zu drei Kilometer ins Hinterland gelangen.

In der Nähe von Galle

Das Niederländische Fort aus dem 17 Jh. in Galle
(Google Earth Placemark)

 

Foto ©Inge

Es ist dunkel und in Bentota (oberer linker Kartenrand), zwei Stunden vor Colombo gelegen, kehren wir zum Abendessen ein. Das Restaurant ist leer, und da wir uns hier in DEM Touristengebiet an der Westküste befinden, halte ich das für ein schlechtes Zeichen.
Nachdem wir eine Stunde auf unsere Bestellung gewartet haben, sind wir positiv überrascht. Natürlich laden wir Ruwan und unseren Driver ein. Sie genieren sich erst, wollen nur was Kleines, aber wir überreden sie ordentlich zuzulangen. Unsicher hantieren sie mit Messer und Gabel, sind es gewohnt, wie in Asien üblich, mit den Fingern zu essen, aber die hier angebotenen Speisen lassen das nicht zu.

Und ich bedauere - wiedereinmal - nichts vom eigentlichen Leben der Menschen in meinem Urlaubsland mitbekommen zu haben.


Die Zerstörung eines Traumes

Colombo. Eine gute dreiviertel Stunde durchqueren wir die Stadt auf einer geräumigen vierspurigen Stadtautobahn, die beste Strasse die uns auf Sri Lanka begegnete.
Alles was wir von Colombo mitkriegen in der Nacht, ist der hell beleuchtete Turm des Hilton Hotels.
Nach einer weiteren Stunde erreichen wir den Flughafen Katunayake, 30 km nördlich von Colombo. Es ist 12 Uhr nachts und 10 Stunden sind seit unserer Abreise vom Hotel vergangen.
Wir verabschieden uns mit einem neuen dicken Kloss im Hals von Ruwan und unserem Driver, mit dem wir einige Touren vom Hotel aus gefahren sind, und stürzen uns in die harte Realität der Flughafenhektik.

Ich hänge todmüde herum, die schöne Erholung ist weggeblasen. Meine Damen habe ich aus den Augen verloren.
Auf einem der Klos, in Pisse stehend, ziehe ich mich widerwärtig um, wechsle meine dünne Schlabberhose gegen Jeans, meine Badelatschen gegen Halbschuhe und schwitze.
Unter dem Arm trage ich schon meine Lederjacke, muss mich ja auf kältere Zeiten einstellen.

Suche die "Smoker's Lounge" auf, um eine zu rauchen.
Aber in der kahlen, schummrigen, stickigen 5x5 Meter Absteige, wo man glaubt unter Aussätzigen zu sein, vergeht einem jede Lust.

Noch drei Stunden bis zum Abflug. Welcher Idiot hat sich diese Abflugzeit ausgedacht?

Endlich Boarding, wieder Rumhocken am Gate.
Kurz bevor ich ins Flugzeug steige, nehme ich noch einen letzten tiefen Zug der kerosingeschwängerten, feucht-warmen Luft.

Abflug. Wir sitzen alle vier in der Mittelreihe, diesmal mit Sitzen vor uns, man kann wenigstens die Beine ausstrecken. Flugdauer 11:30h, denn damit das Ganze auch schön lange dauert, landen wir noch in Paris zwischen. Es handelt sich nämlich nicht um einen Nonstop-, sondern um einen Direktflug, ein kleiner aber feiner Unterschied. Ich versuche zu schlafen, aber wie ich mich auch drehe und wende, der Sitz verursacht mir Schmerzen am Steissbein und sonstwo. Hat das Kretin, dass diesen Hocker entworfen hat, einmal einen 10h Flug auf diesem mitgemacht?

Wir bekommen ein Mittagessen serviert. Ist ja auch logisch, nachts um 5:30.

Landung in Paris, ich freue mich auf eine Zigarette und darauf, mir etwas die Beine zu vertreten. Aber nix da. Die Leute, die nach Frankfurt wollen, sollen im Flugzeug bleiben, teilt der Lautsprecher mit. An Bord sind noch etwa 20 Mitgefangene.
Ok, die Stunde nach Frankfurt werde ich auch noch überstehen, jetzt ist es auch schon wurscht.
Aber zuerstmal kommt der Reinigungstrupp und räumt die Plätze der Franzosen auf, die das Flugzeug verlassen haben. Wir werden gebeten, die Gänge freizuhalten. Wäre schön, wenn sie uns zumindest was zum Trinken anbieten würden. Fehlanzeige.
Schliesslich trödeln eine halbe Stunde lang die Leute rein, die auch noch nach Frankfurt wollen, bis die Maschine wieder proppenvoll ist.

Nach zweieinhalb Stunden rumstehen auf dem Flughafen Charles De Gaulle rollt die Maschine an. Der Pilot entschuldigt sich für den verspäteten Abflug, man sei noch von irgendeiner französischen Behörde, die sehen wollte, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht, gefilzt worden.
Weil wir es ja jetzt gewohnt sind, stehen wir noch eine halbe Stunde vor der Startbahn und warten auf die Kandidaten vor uns. Und landen wollen ja schliesslich auch noch einige. Armer CDG, kann sich nur eine Bahn leisten.

Ein kurzer Hüpfer nach Frankfurt, keine Zeit mehr zum letzten gemeinsamen gemütlichen Essen zu viert im "Oasis Steigenberger", wieder treppauf, treppab, der ICE nach München läuft gleich ein.
Im Zug finden Inge und ich gerade noch einen freien Platz, Christine und Steffi im nächsten Wagen, es ist schon wieder proppenvoll, und abermals muss ich an Idioten denken, nämlich an die "Planer" der Deutschen Bahn.
Da kommen viele Leute mit Koffern und anderen Gepäckstücken, aber im Zug ist schlicht kein Platz dafür vorgesehen.
Wir müssen unsere Koffer neben unseren Sitzen in den engen Gang stellen und andere müssen mit ihrem Gepäck darübersteigen.
Die Fahrt geht über die Stationen Mannheim, Stuttgart, Ulm, Augsburg und einigen anderen Zwischenstops nach München, dreieinhalb Stunden lang.
Wenn er nur voll Power fahren könnte oder dürfte. Aber 250 km/h sind nur für kurze Zeit drin, ansonsten zuckelt er dahin wie ein alter Bummelzug.

Endlich in München, eine letzte hektische Verabschiedung von Christine und Steffi, die hier von ihren Männern abgeholt werden.

Aber Inge und ich müssen noch weiter. Wir hetzen zum Zug nach Landshut, wo wir am Boden des Fahrradtransportabteils einen raren Platz finden.
So fahren wir noch ne Stunde. Ha, nur eine Stunde, lächerlich!

In Landshut schnappen wir uns ein Taxi. Die Ausdrucksweise der Fahrerin macht uns klar, dass wir wieder in Niederbayern sind. Ich habe es nicht vermisst.

Um genau 20 Uhr Ortszeit erreichen wir Gerzen, 34 Stunden nach Abreise vom Hotel.


Fazit

Abgesehen von An- und Abreise haben wir einen absolut wunderbaren Urlaub, bzw. eine Kur erlebt.
Das Klima, das Land, die Menschen haben es uns angetan.Wir werden wiederkommen.
(Vielleicht kommt doch noch ein richtiger Prolog ;)

Allerdings auf anderen, kürzeren Wegen.
Von München Nonstop nach Colombo und dann entweder eine Woche Rundreise mit Endziel "Oasis", oder direkt von Colombo mit dem Air-Taxi, das in 50 Minuten nach Hambantota fliegt.

Ein findiger Reeder könnte eventuell eine Fährverbindung von Colombo zu ausgewählten Zielen auf Sri Lanka aufbauen.

Ich denke schon darüber nach.

Áyubóvan!

©Upali 2002



Bemerkungen:

Wer sich für das Hotel interessiert, dem seien folgende Zimmer im linken Flügel empfohlen, da sie am weitesten von der Hotelmaschinerie entfernt sind:
Zimmer 701-710 im Erdgeschoss mit Terrasse zum Park, 710-721 im ersten Stock mit Balkon.
Ausserdem gibt es 10 weitere Räume in Bungalows in 2er-Einheiten.

Links:

Wikipedia: Sri Lanka
Lanka First
Tsunami Hilfe Asien
Ayurvedareisen mit Aytour
Ayurveda
Ayurveda Portal
Sri Lankische Botschaft Berlin
Alte Karte von Ceylon
Kandy Restaurant München
Was die CIA über Sri Lanka weiss
Spiegel: Zugfahrt über Sri Lanka
Spiegel: Traum in Öl